Ich leinwandere

20. Februar 2014

In eigener Sache: Seit Anfang des Jahres blogge ich gemeinsam mit einem Exkommilitonen über Filme. Das Blog heißt Die Leinwanderer und wird ergänzt durch einen Facebook-Auftritt. Auch wenn das Ganze quasi überhaupt keinen Leipzig-Bezug besitzt, freue ich mich natürlich über jeden Lipsia-Leser, der mir dahin folgt. Dem Leipziger Blogosphärentrend zum Podcasten habe ich mich auch schon angeschlossen – Folge 1 (Dauer: 3 Stunden, Inhalt: Tops und Flops des vergangenen Kinojahres) ist seit gestern online.

Meine neue Aktivität wird sicher nicht dazu führen, dass ich demnächst wieder regelmäßiger auf Lipsia blogge. Aber bei bestimmten Anlässen werd ich sicher mal wieder in die Tasten hauen. Die Stadtratswahl im Mai könnte beispielsweise ein solcher sein.

Das Grauen

15. November 2013

Lange hat es ja nicht gedauert. Wenige Tage nachdem die Lokalmedien von zwei geplanten Flüchtlingsheimen in Thekla und Paunsdorf berichteten, hat sich Leipzig auch schon zur Gegenwehr gerüstet – eine solche Bedrohungslage konstruiert zumindest eine von mehr als 2.000 Personen unterstützte Facebook-Seite. Die “Bürgerinitiative Gohlis sagt Nein” [zu einer Moschee] ist da schon ein gutes Stück weiter und freut sich bereits über fast 7.000 Unterstützer.

Am Mittwoch gab die Stadt zudem bekannt, dass sie ein ungenutztes Schulgebäude übergangsweise als Notunterkunft für Flüchtlinge herrichten möchte. Allein bis Mitte Dezember muss die Stadt knapp 300 weitere Asylbewerber aufnehmen. Eine besorgte Mutter sammelt bereits Unterschriften – schließlich denkt mal wieder keiner an die Kinder.

In diese Gemengelage platzt nun auch noch die Nachricht, dass die NPD schon wieder die Gunst der Stunde nutzen möchte. Für Montagabend ist eine Demo in Schönefeld angekündigt.

Daran beteiligen werden sich ja vielleicht folgende Kommentatoren auf eingangs erwähnter Facebook-Seite:

Kein Mensch interessiert sich für einen toten Kanacken,und schon gar nicht wenn das Stück Scheiße auch noch mit Drogen dealt.Pistole raus und übernHaufen schießen.Das ist die Alternative zu dem Dreck.

raus mit den flüchtlingen sind wir hier bei der wohlfahrt, wer würde uns denn helfen…. niemand also ab auf nen kutter und ins meer

Ich muSS für “” meinen “” Mercedes Arbeiten !!

man geht hier arbeiten und muss noch mit Hartz 4 aufstocken…….und die Asylanten bekommen alles und können sich die Eier lang ziehen……man sollte langsam mal wieder auf ein Strassen gehen und zeigen, das wir deutschen uns das nicht mehr gefallen lassen……

Ist der Ali kriminell, in die Heimat aber schnell

Wenn Asylanten Unterkünfte in paunsdorf entstehen, ziehe ich weg oder mache nen waffenschein.

Die wollen es doch noch immer gut machen wegen Hitler damals.
Dabei ist das Schwachsinn.
Das ist lange her.
Aber wenn das so weiter geht brauchen wir bald ne neue macht.

Übrigens: Nur weil man gegen den Bau einer Moschee ist bedeutet das nicht gleich das man ein Rassist ist. Gegen die “hinterhabibischen” Menschen als “Rasse” hab ich eigentlich nichts. Es sind ja definitiv auch ein paar hübsche Mädchen dabei.

Baut um de Eisenbahn Straße ne Mauer. ..mit Stacheldraht. ..und selbstschussanlage

und sowas holen unsre politiker hier rein die sollnse auf den mond schießen ohne rückfahrt

man ist sich in deutschland seines lebens nicht mehr sicher.

ne fetter Super Bombe aufs Heim ballern !!

Bis zum nächsten Fackelmarsch ist es wohl nicht mehr weit. Man mag sich eigentlich gar nicht vorstellen, wohin das alles noch führen könnte.

Gohliser Ghetto

5. November 2013

[...] Im Internet haben inzwischen mehr als 2000 Menschen eine Petition gegen die Leipziger Moschee unterzeichnet. Initiiert hat diese Katrin Viola Hartung, Beisitzerin im CDU-Vorstand Leipzig-Süd und Mitglied im Evangelischen Arbeitskreis der Christdemokraten. Im angedachten Bau des muslimischen Gebetshauses sieht sie eine Bedrohung für den Stadtteil: „Wir haben bereits die Salafisten-Gemeinde in der Roscherstraße und dann ist ja hier auch noch ein Asylantenheim geplant – ich befürchte, dass Gohlis mit der Moschee immer mehr zu einem Ghetto verkommt“[...].

Quelle: LVZ-Online

Die fünf Säulen des Protests

3. November 2013
Antifaschist; hat die Nazis fest im Blick

Antifaschist; hat die Nazis fest im Blick

Mindestens so vielfältig wie der Islam selbst war der Protest, der sich gestern in Gohlis rund um den Bau eines islamischen Gotteshauses drehte. Dort möchte die Ahmadiyya-Gemeinde bekanntlich eine Moschee errichten. Dagegen regt sich Bürgerprotest. Vermutlich unter irgendeinem Motto hatten deshalb die Nationaldemokraten der NPD zur Kundgebung nahe des geplanten Bauortes aufgerufen.

Und so trafen sich gestern die fünf Säulen des Protests: Nazis plus Sympathisanten, Antifa plus Sympathisanten, Politiker, Unentschlossene bzw. Eventtouristen und natürlich die Polizei.

Während die NPD in letzter Zeit zusätzlich Sympathien wegen wiederholter Unpünktlichkeit verspielt hatte, traf sie diesmal recht pünktlich am Veranstaltungsort ein – mit dabei waren viele bekannte Gesichter, darunter Bundesführer Holger Apfel. Viel erschreckender als die Anwesenheit hochrangiger NPD-Leute war jedoch der Anblick von Menschen, die nicht wie stramme NPD-Wähler aussahen, zumindest in der Frage des Moscheebaus jedoch scheinbar mit ihr übereinstimmten. Die Reden – sofern akustisch verständlich – handelten vom Üblichen: Man habe ja nichts gegen Ausländer. Solange sie daheim blieben. Und die Moschee? Ein Einfallstor für üble Islamisten. Man mag Verständnis mit Menschen haben, bei denen der Bau einer Moschee Fragen aufwirft – doch wer nach solchen Reden immer noch daran glaubt, dass die NPD die geeigneten Antworten darauf liefert, verdient kein Verständnis mehr.

Coexist

Auf der anderen Straßenseite, quer gegenüber der Gohlis-Arkaden, hatten sich mehrere Hundert Gegendemonstranten eingefunden, die “Haut ab”, “Ihr seid so lächerlich”, “Halt’s Maul” und ähnliches skandierten. Trillerpfeifen und Musik sorgten für die passende Hintergrundbeschallung. Noch vor Beginn der eigentlichen NPD-Veranstaltung hatte eine kleine Gruppe den aussichtslosen Sturm Richtung Moscheegegnern gewagt, war jedoch von der Polizei gestoppt und unsanft zurückgedrängt worden. Gegen Ende der Veranstaltung soll es noch zu Verschönerungen des NPD-Trucks durch Farbbeutelwürfe gekommen sein.

Etwas von dieser Gruppe abseits standen zahlreiche ehemalige und noch aktive Politiker aus Stadt, Land und Bund, allen voran Oberbürgermeister Jung. Persönlich gesichtet habe ich jedoch nur Vertreter der Parteien Linke, Grüne und SPD sowie eine Piratenflagge. Direkt vor den Gohlis-Arkaden standen schließlich noch ein paar Dutzend Menschen, die nicht so ganz leicht zuzuordnen waren. Da trugen einige eine Antifa-Fahne, andere brüllten gegen die NPD-Demo, aber vermutlich standen da auch Personen, die den Moscheebau ebenso ablehnen wie Komplizenschaft mit der NPD. Laut Twitteraccount des Aktionsnetzwerkes “Leipzig nimmt Platz” kam es zu vereinzelten Handgreiflichkeiten zwischen Gegnern und Befürwortern (der Moschee / der Kundgebung / der Gegenkundgebung / …).

Getrennt wurden all diese Menschenmengen durch Hundertschaften der Polizei, die an jeder Ecke der Kreuzung eine Kette bildeten. Eine Chance, die Kreuzung zu überqueren, hatte man daher lediglich als Pressevertreter oder Politiker. Grundsätzlich machte die Polizei auf mich diesmal einen verhältnismäßig entspannten Eindruck, hätte sich die eine oder andere Schikane aber durchaus kneifen können. Einen Trommler holte sie etwa vom Geländer an der Straßenbahnhaltestelle, weil dieser angeblich den Verkehr gefährdete. Später hinderte eine Beamtin fünf junge Leute daran, mit der Straßenbahn ins Kino zu fahren, obwohl diese sich laut eigener Aussage zehn Minuten zuvor das Okay eines Kollegen geholt hatten. “Ich werde mit Ihnen darüber nicht reden” blieb die einzige Antwort, die ich auf Nachfrage erhielt. Darüber hinaus kam es zu kleineren Rangeleien, mit denen natürlich zu rechnen ist, wenn eine Polizeikette durchbrochen wird.

Am Ende war es mal wieder eine dieser Veranstaltungen, die stark an ein Fußballspiel erinnerten. Auf der einen Seite monotoner Dauergesang verschiedener NPD-Capos, auf der anderen Seite lautstarke Sprechchöre und rhythmisches Klatschen. Und dazu jede Menge Polizei. Auf ein Wiederholungsspiel mag man gerne verzichten. Doch realistisch betrachtet ist diese Debatte noch lange nicht zu Ende. Und realistisch betrachtet sind im kommenden Mai Landtagswahlen – die NPD hat ihr Thema vielleicht schon gefunden.

24 weitere Fotos gibt’s auf Flickr.

Wir wollen (k)eine Moschee

31. Oktober 2013
Unumstritten: Kirchenneubau im Zentrum; Foto: Flickr/Propstei St. Trinitatis Leipzig

Unumstritten: Kirchenneubau im Zentrum; Foto: Flickr/Propstei St. Trinitatis Leipzig

Es gibt gute Gründe, gegen den Neubau großer Gebäude zu sein. Sie könnten architektonisch nicht zur Umgebung passen. Sie könnten Lärm verursachen. Sie könnten die Infrastruktur eines bestimmten Raumes stören. Es gibt auch gute Gründe, gegen die Errichtung sakraler Bauwerke zu sein. Etwa weil man Religion für kaum vereinbar mit aufgeklärter Vernunft hält und sich fragt, wozu mit Millionen Gebäude errichtet werden, in denen dann die Unvernunft gepredigt wird.

Und es gibt den geplanten Bau einer Moschee in Gohlis. Auf den all das zutreffen mag oder auch nicht. Leider spricht vieles dafür, dass es den Gegnern dieses Bauvorhabens um andere Dinge geht: um fremdenfeindliche Ressentiments; um die Ablehnung all dessen, was nicht dem hiesigen Kulturkreis entspricht. Was auch immer das für ein Kulturkreis sein soll, in dem nicht einmal jeder Fünfte dem christlichen Glauben anhängt. Im Zusammenhang mit allerlei vorgeschobenen Gründen für den Protest ist es vielsagend, dass die Propsteigemeinde St. Trinitatis ohne größeren Gegenwind einen Protzbau im Zentrum errichten kann, während hingegen eine Moschee im Norden der Stadt allerlei Widerspruch erfährt.

Die harmlosen Argumente der “besorgten” Bürger lesen sich so:
“Die” haben doch schon eine Moschee in Leipzig.
Versucht doch mal bei “denen” eine Kirche zu bauen. Das lehnen die auch ab.
“Die” nutzen das doch bloß zur Propaganda.
Denkt doch bitte mal an die Kinder.

Die weniger harmlosen Argumente der “besorgten” Bürger lassen sich an anderer Stelle nachlesen.

Am Samstag kommt es nun zum ersten Showdown aller Befürworter, Kritiker und Gegner der Kritiker. Für 11 Uhr hat die NPD, der es in erster Linie sicher auch um Themen wie Architektur und Lärmschutz geht, eine Kundgebung an der Ecke Georg-Schumann-/Lützowstraße (gegenüber der Gohlis-Arkaden) angemeldet. Die Reaktion des Aktionsnetzwerkes “Leipzig nimmt Platz” ließ natürlich nicht lange auf sich warten: Auch die Nazi-Gegner mobilisieren für Samstag.

Schauen wir mal, wie viele Bürger, die sich selbst in der “Mitte des Volkes” verorten, dann doch am rechten Rand zu sehen sein werden.

Der Durchmarsch der CDU

22. September 2013

Dass es für die Union im Bund zur absoluten Mehrheit reicht, ist laut der Hochrechnungen am späten Sonntagabend wieder eher unwahrscheinlich geworden. Dennoch hat die Merkelpartei auf ganzer Linie triumphiert und wird vermutlich bald eine Große Koalition ohne nennenswerte Opposition dominieren.

Auch in Leipzig war schon ziemlich früh klar, wie der Hase läuft (Wahlergebnis). In beiden Wahlkreisen hat die CDU ihre Direktmandate verteidigt – und das überraschend deutlich. Im Norden holt Bettina Kudla gut 40 Prozent. Die Verfolgerinnen Barbara Höll (Linke) und Daniela Kolbe (SPD) verfehlen die 25-Prozent-Marke. 2009 sah es noch etwas anders aus: Kudla lag damals bei 33,3 Prozent, Höll bei 26,6. Auch im Süden klare Verhältnisse: Thomas Feist landet bei knapp 35 Prozent, Mike Nagler (Linke) und Wolfgang Tiefensee (SPD) schaffen knapp 25. Auch hier war es 2009 deutlich enger: Feist 28,8, gefolgt von Nagler 25,3 und Tiefensee 23,0. Im Prinzip ist in Leipzig also alles wie gehabt, nur eben diesmal deutlich triumphaler für die Christdemokraten.

Die FDP geht derweil auch in Leipzig baden und lässt lediglich die BüSo-Kandidaten hinter sich. Im Süden ist Holger Krahmer etwa gleichauf mit Mathias Haschke von der “Partei”. Unschön: Die NPD holt im Norden etwa 3,3 und im Süden etwa 2,0 Prozent. Im Süden bedeutet das immerhin einen Verlust von 0,2 Prozent gegenüber der Wahl 2009; im Norden ändert sich nichts.

Auch wenn sich der Eindruck in den nächsten Tagen wandeln wird: Gefühlt ist Deutschland nun schwarz wie die Nacht.

Twittern zur Bundestagswahl

22. September 2013

In Leipzig treten heute 17 Direktkandidaten zur Bundestagswahl an. Acht von ihnen twittern aktiv und aktuell mit Bezug zur Wahl, drei gehen als Karteileichen durch und die restlichen sechs sind nicht vorhanden oder auffindbar.

Überblick über die twitternden Direktkandidaten:

Monika Lazar (Grüne) – 1.925 Follower
Holger Krahmer (FDP) – 1.674 Follower
Daniela Kolbe (SPD) – 1.183 Follower
Thomas Feist (CDU) – 1.182 Follower
Florian Bokor (Piraten) – 1.068 Follower
Marcus Viefeld (FDP) – 822 Follower
Mike Nagler (Linke) – 617 Follower
Sebastian Czich (Piraten) – 84 Follower

Nur bei FDP und Piraten sind also beide Kandidaten aktiv. An den Leuten von BüSo und NPD scheint der Trend zum Politikertwittern vorbei zu gehen. Ob sich irgendeiner der Kandidaten in dieser Liste Follower gekauft hat, weiß ich nicht. Da man die wohl eher in 1000er-Paketen bekommt, wohl eher nicht.

Mit Kolbe, Viefeld und Bokor sind also drei (von acht) Kandidaten aus dem nördlichen Wahlkreis vertreten. Bleiben fünf (von neun) aus dem Süden. Einen verifizierten Account besitzen dabei lediglich Kolbe, Krahmer und Lazar. Bei dem Rest könnte es sich also theoretisch um Fake-Accounts handeln, was man mit Blick auf den Inhalt aber wohl ausschließen kann.

Auch Wolfgang Tiefensee (SPD) besitzt einen Account, der jedoch nur genutzt wurde, um zwischen Januar und Juni acht Pressemitteilungen zu verbreiten. Außerdem finden sich bei Twitter eine gewisse Stefanie Gruner (Grüne) und eine gewisse Barbara Höll (Linke). Der jeweils einzige Tweet deutet inhaltlich darauf hin, dass es sich dabei tatsächlich um ihre Accounts handelt; bei jeweils einem Tweet ist es aber eben auch geblieben. Die Zeitangabe bei Höll könnte ein Hinweis dafür sein, dass der Account im Vorfeld der Bundestagswahl 2009 erstellt wurde. Vielleicht erwartet uns also heute im Laufe des Tages Tweet Nr. 2.

Zurück zu den acht Aktiven: Eine Liste aller Tweets von Czich, Kolbe, Lazar, Bokor, Feist, Nagler, Krahmer und Viefeld findet ihr hier.

Der Herbst ist da. Die Wahllokale haben bis 18 Uhr geöffnet.

Leipzig wählt den Bundestag

20. September 2013

Am Sonntag geht’s mal wieder an die Urne. Die Bundestagswahl 2013 ist eine von vielen Wahlen innerhalb eines etwa anderthalb Jahre andauernden Wahlmarathons insbesondere für Leipziger: OBM-Wahl im Januar/Februar, nun die Bundestagswahl, ein möglicher Bürgerentscheid zur Privatisierungsbremse steht auch noch vor der Tür, und 2014 geht’s dann weiter mit Kommunal-, Europa- und Landtagswahlen.

Nun also erstmal der Bundestag. Leipzig gliedert sich in zwei Wahlkreise. Die Wähler im Norden müssen ihren Favoriten aus acht Kandidaten, die im Süden aus neun Kandidaten wählen.

Wahlkreis 152 (Nord):
- Bettina Kudla (CDU)
- Barbara Höll (Die Linke)
- Daniela Kolbe (SPD)
- Marcus Viefeld (FDP)
- Stefanie Gruner (Grüne)
- Klaus Ufer (NPD)
- Andreas Trost (BüSo)
- Florian Bokor (Piraten)

Kudla, Höll, Kolbe und Viefeld waren bereits 2009 angetreten. Kudla holte sich damals das Direktmandat mit 33,3 Prozent der Stimmen. Es folgten Höll (26,6), Kolbe (19,4) und Viefeld (9,2). Die Zweit- und Drittplatzierten sicherten sich über die Landesliste den Einzug in den Bundestag. Für die CDU war dies das erste Direktmandat in diesem Wahlkreis seit 1994. In der Zwischenzeit hatte der SPD-Abgeordnete Rainer Fornahl dreimal in Folge die meisten Stimmen geholt.

Wahlkreis 153 (Süd):
- Thomas Feist (CDU)
- Mike Nagler (Die Linke)
- Wolfgang Tiefensee (SPD)
- Holger Krahmer (FDP)
- Monika Lazar (Grüne)
- Matthias Koch (NPD)
- Karsten Werner (BüSo)
- Sebastian Czich (Piraten)
- Mathias Haschke (Die Partei)

Feist, Nagler, Tiefensee, Lazar und Werner waren bereits 2009 angetreten. Feist holte sich damals das Direktmandat mit 28,8 Prozent der Stimmen. Es folgten Nagler (25,3), Tiefensee (23,0), Lazar (12,2) und hinter den Kandidaten von FDP und NPD schließlich Werner (1,2). Die Zweit- und Drittplatzierten sicherten sich über die Landesliste den Einzug in den Bundestag. Für die CDU war dies das erste Direktmandat in diesem Wahlkreis seit 1994. In der Zwischenzeit hatte der SPD-Abgeordnete Gunter Weißgerber dreimal in Folge die meisten Stimmen geholt.

Auffallend bei der Bundestagswahl 2009 war, dass in allen anderen 14 sächsischen Wahlkreisen die jeweiligen Sieger mit einer höheren Prozentzahl der Stimmen gewählt wurden. Betrachtet man jene Wahl und die zurückliegende OBM-Wahl, so wird deutlich, dass etwa zwei Drittel aller Leipziger Wähler eine Person aus dem eher linken Spektrum wählen. Auch deshalb wurde im Vorfeld dieser Wahl viel über taktisches Vorgehen diskutiert, was sogar dazu führte, dass die Vorsitzende eines Nachwuchsverbandes für den Direktkandidaten einer anderen Partei warb.

Wer sich bis Sonntag nochmal einen Überblick insbesondere über die Leipziger Kandidaten verschaffen möchte, dem sei die Zusammenstellung von Heldenstadt ans Herz gelegt, die u.a. Links zu den jeweiligen Homepages und Facebookseiten bietet. Im Kandidatencheck von abgeordnetenwatch.de gibt’s einen Wahl-O-Mat mit den Positionen der Bewerber aus den Wahlkreisen – natürlich auch für Leipzig.

Dort erfährt man zum Beispiel, dass sich …
… in Wahlkreis 152 (Nord) …
Bettina Kudla gegen den erweiterten Schutz von Whistleblowern, Volksentscheide auf Bundesebene und das Adoptionsrecht für eingetragene Lebenspartner ausspricht und Marcus Viefeld einen deutschen Alleingang zur strengeren Regulierung der Finanzmärkte sowie eine gesetzliche Frauenquote ablehnt.
… in Wahlkreis 153 (Süd) …
Holger Krahmer gegen ein grundsätzliches Verbot von Waffenlieferungen in Konfliktregionen ausspricht, es grundsätzlich für vertretbar hält, dass Leiharbeiter weniger verdienen als die Stammbelegschaft eines Unternehmens sowie die Erdöl- und Erdgasförderung mit der Fracking-Methode als notwendig betrachtet und Thomas Feist gemeinsamen Unterricht von Kindern unabhängig von Herkunft und Fähigkeiten ablehnt.

(Die Beispiele beziehen sich auf Positionen, die der jeweilige Direktkandidat exklusiv hat.)

Ansonsten gibt es natürlich noch den allgemeinen Wahl-O-Mat und zig andere Entscheidungshilfen und Beiträge zur Bundestagswahl wie etwa den Forderungskatalog von Amnesty International.

Also: Viel Spaß beim Informieren und ein gutes Händchen am Sonntag!

Die Qual der Bundestagswahl

16. Juli 2013

Fünf Frauen, zehn Männer und zwei Nazis treten in Leipzig als Direktkandidaten zur diesjährigen Bundestagswahl an.

NPD-Stadtrat Klaus: Sehnsucht nach neuen Ufern.

NPD-Stadtrat Klaus: Sehnsucht nach neuen Ufern.

Bis zur Bundestagswahl am 22. September ist es nicht mehr allzu weit. Doch die Spannung hält sich noch arg in Grenzen. Zu klar scheint die Perspektive: CDU-Kanzlerin Merkel wird an der Macht bleiben. Entweder – nach vierjähriger Unterbrechung – wieder mit der SPD an ihrer Seite oder eben doch weiter mit der FDP. Sämtliche denkbaren Alternativen liegen zahlreiche Prozentpunkte in der Ferne oder wurden von mindestens einer der möglicherweise beteiligten Parteien bereits (so gut wie) ausgeschlossen. Dennoch – und sowieso überhaupt – sollte man sich an dieser Wahl interessiert zeigen.

Wie die Einwohner jeder anderen Stadt auch entscheiden die Leipziger an diesem Tag nicht nur darüber, welche Parteien die nächsten vier Jahre das Land regieren, sondern auch, welche lokalen Direktkandidaten in den Bundestag einziehen werden. Gestern war nun Bewerbungsschluss: 17 Kandidaten wollen sich in den beiden Leipziger Wahlkreisen für neun verschiedene Parteien zur Wahl stellen, darunter mehr als doppelt so viele Männer wie Frauen. Im südlichen Wahlkreis tritt gar nur eine Frau gegen acht Männer an.

Hier die Übersicht.

Wahlkreis 152 (Nord):
- Bettina Kudla (CDU)
- Barbara Höll (Die Linke)
- Daniela Kolbe (SPD)
- Marcus Viefeld (FDP)
- Stefanie Gruner (Grüne)
- Klaus Ufer (NPD)
- Andreas Trost (BüSo)
- Florian Bokor (Piraten)

Wahlkreis 153 (Süd):
- Thomas Feist (CDU)
- Mike Nagler (Die Linke)
- Wolfgang Tiefensee (SPD)
- Holger Krahmer (FDP)
- Monika Lazar (Grüne)
- Matthias Koch (NPD)
- Karsten Werner (BüSo)
- Sebastian Czich (Piraten)
- Mathias Haschke (Die Partei)

CDU, Linke und SPD vertrauen(?) somit komplett auf jene Bewerber, die sie bereits 2009 ins Rennen geschickt haben. Auch Marcus Viefeld von den Liberalen im Norden sowie Monika Lazar (Grüne) und Karsten Werner (BüSo) im Süden waren vor vier Jahren schon am Start. Die NPD versucht es mit zwei neuen Gesichtern, Piraten und Partei traten 2009 noch nicht an – letztere wurde damals auch gar nicht zur Bundestagswahl zugelassen. Die Alternative für Deutschland steht zwar in allen Bundesländern zur Wahl, stellt jedoch nach eigenen Angaben nur in etwa der Hälfte der Wahlkreise Direktkandidaten auf – die beiden in Leipzig gehören nicht dazu.

2009 konnten sich die beiden Christdemokraten Kudla (33,3 Prozent) und Feist (28,8 Prozent) vor den Kandidaten der Linken bei der Bundestagswahl durchsetzen. Barbara Höll, Daniela Kolbe, Wolfgang Tiefensee und Monika Lazar schafften den Einzug in den Bundestag dank guter Listenplätze in den jeweiligen Parteien dennoch. Mit sechs Bundestagsabgeordneten ist Leipzig aktuell sogar etwas stärker vertreten, als es der Heldenstadt aufgrund ihrer Einwohnerzahl „zustünde“; „angemessen“ wären ziemlich genau vier.

Welche Rolle wiederum die Leipziger Abgeordneten auf der politischen Bühne in Berlin spielen, soll an dieser Stelle besser nicht weiter erörtert werden. Dass dieser und jene sich via LVZ gefühlt jeden zweiten Tag über dieses und jenes in Leipzig empört (gerne auch ohne entsprechende Kompetenz), scheint jedenfalls hier und da eine gewisse Kompensationsfunktion erfüllen zu müssen.

In der Zeit bis zur Bundestagswahl werde ich die Kandidaten noch genauer vorstellen und auch mal auf die Wahl 2009 zurückblicken. Am 26. Juli entscheidet der Kreiswahlausschuss übrigens zunächst in öffentlicher Sitzung, ob tatsächlich alle Kandidaten zur Wahl im September zugelassen werden.

Verein vs. Schulden vs. Ultras

9. Juli 2013

Die Zukunft des 1. FC Lok entscheidet sich jetzt. Spätestens die Vorkommnisse vom Wochenende sowie die daraus resultierenden Konsequenzen und Diskussionen legen diesen Schluss nahe. Fans der Loksche und des Halleschen FC feierten bei einem Testspiel im Bruno-Plache-Stadion den 25. Geburtstag ihrer gemeinsamen Fanfreundschaft und legten dabei vor Anpfiff eine kleine Pyroshow auf den Rasen – erlaubt und toleriert vom Verein. Nicht erlaubt und ziemlich verheerend war hingegen ein neuerliches Zündeln während der zweiten Halbzeit: Das gemeinsame Banner geriet in Brand (was halt passieren kann, wenn man ein Bengalo drauf wirft…), der Schiri unterbrach die Partie wegen der schlechten Luftqualität – ein Klassiker in Leipzig – für einige Minuten.

Liest man sich durchs Lok-Forum, ergibt sich folgendes Bild: Verantwortlich für den zweiten Teil der Show waren einige HFC-Fans; mindestens ein Mitglied der Lokultras “Scenario” ging daraufhin auf die Verursacher los. Viel interessanter als die Schuldfrage ist nun die Reaktion von Präsidium und Aufsichtsrat von Lok. Die Gremien verurteilen die Vorfälle und haben sich für eine Reihe von Maßnahmen entschieden: Keine Banner mehr auf dem Dammsitz, Lokultras zurück in die Fankurve, keine HFC-Banner mehr, wenn der HFC nicht selbst im Plache gastiert, und einige andere mehr. Kurzum: Die Lok-Verantwortlichen holen aus zum öffentlichkeitswirksamen Rundumschlag.

Von den vielen Fragen, die sich zur Zukunft der Loksche nun stellen, ist die nach der sportlichen Entwicklung schon fast die banalste. Der Verein reduziert seinen Etat für die kommende Saison im Vergleich zur vergangenen drastisch und wird infolge zahlreicher Abgänge nur ein Ziel haben können: Klassenerhalt.

Interessanter ist das, was sich derzeit drumherum entwickelt. Das Image das Verein ist miserabel. Will Lok auf Dauer bestehen können, muss sich in dieser Hinsicht gewaltig etwas tun. Das neue Präsidium, das seit gut einem Vierteljahr im Amt ist, hat in dieser Zeit offenbar viele neue Sponsoren an Land gezogen und wieder eine Art Aufbruchstimmung verbreitet – trotz Schulden in mittlerer sechsstelliger Höhe. Und auch wenn zahlreiche Lok-Fans außerhalb ihres Stadions an manchen Tagen wenig dazu beigetragen haben, das Image ihres Vereins aufzupolieren, so blieb es während der Spiele im Plache selbst doch seit Jahren ruhig. Keine Pyro, keine Randale, keine menschlichen Hakenkreuze mehr. Doch mit diesem Pfund kann das Präsidium nun nicht mehr wuchern. Pyro selbst dürfte von einem Großteil der Lok-Fans wohl tendenziell als etwas Stimmungsvolles empfunden werden, auch etwas, womit man sich vom vermeintlich sterilen Publikum von RB Leipzig abgrenzen kann. Geht die Sache jedoch schief, so wie am Freitagabend, dürften diese Sympathien zu einem großen Teil schwinden – nicht zuletzt der mal wieder massiv schlechten Presse wegen.

Und so stellt sich auch die Frage, ob die Stimmung gegenüber “Scenario” langsam kippt. Wer für sie argumentiert, führt Dinge wie lautstarke Unterstützung während der Spiele, die Organisation der beiden großen Choreos gegen RB oder den Einsatz bei diversen Spenden-/Rettungsaktionen für Lok ins Felde. Skeptiker hingegen verweisen auf andauernde Vorfälle wie jenen am Freitag (auch wenn die Schuldfrage hier wie gesagt ungeklärt ist) oder die Nähe zum Rechtsextremismus, auf die mittlerweile ja selbst der Verfassungsschutz hinweist.

Bislang hatte man nicht den Eindruck, dass gerade letzterer Aspekt allzu vielen Lok-Fans sonderlich viel Bauchschmerzen bereitete. Sollte es nun zu einem Aufstand gegen “Scenario” kommen, dürfte dieser wohl auch eher pragmatischen Motiven folgen: Dass die Ultras dem Verein mehr schaden als nutzen.

Interessant zu beobachten waren in letzter Zeit auch die Aktionen der Vereinsspitze. Im Anschluss an das Relegationshinspiel von RB gegen Lotte, bei dem zwei Balljungen durch Knallkörper verletzt wurden, drohte das Präsidium den eigenen Fans, sofern sie daran beteiligt waren, mit einem Vereinsausschluss. Und nun erneut die harte Kante gegen die eigenen Ultras. Das zentrale Motiv all dieser Handlungen dürfte auch hier lauten: Imagepflege. Die Verantwortlichen bei Lok lernen hier offenbar aus den Fehlern der Vergangenheit, als über Verfehlungen der eigenen Anhängerschaft großzügig hinweggesehen wurde.

Nun könnte die Zeit gekommen sein, um das Projekt “Imagewandel” anzugehen. Der Aufstieg von RB in den Profifußball wird sicher nicht dazu führen, dass plötzlich zahlreiche Fußballfans in Leipzig ihre Liebe zur Loksche erkennen, einfach so. Überleben kann Lok auf Dauer wohl nur als Familienverein, in den auch jene Sponsoren gerne investieren, für die RB sowieso ein paar Nummern zu groß ist. Aber ein Familienverein benötigt ein positives Image. Für Ultras scheint dabei derzeit kein Platz zu sein. Auch wenn eine solche Option derzeit nicht im Raum steht, wirkt das Präsidium entschlossen, notfalls “Scenario” den Stecker zu ziehen, sollte die Gruppierung als stark imageschädigend empfunden werden. Aber auch für den Fall, dass sich “Scenario” demnächst nichts zu Schulden kommen lässt, löst man ein Problem mit der Duldung der Gruppe nicht: Lok wird weiterhin das Image eines Nazivereins anhaften.

Aufgrund der Vorkommnisse vom Freitag scheint sich “Scenario” nun aber angreifbar gemacht zu haben – kurioserweise eventuell ohne selbst etwas dafür zu können. Nachdem das Präsidium reagiert hat, muss man nun schauen, wie sich die Mehrheit der Fans zu den Ultras positioniert. Es dürfte wohl die zentrale Richtungsentscheidung sein für das zukünftige Image des Vereins. Vielleicht ringen sich Präsidium und “Normalo-Fans” ja aus falschen Gründen zu richtigen Entscheidungen durch.


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