Ein Student scannt das Werk eines Professors ein und wird anschließend vom Verlag verklagt. Daraufhin geht der Student mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit. Zunächst berichtet die unabhängige Hochschulzeitung “student!” darüber, später auch Mephisto, L-IZ, netzpolitik.org, Süddeutsche, FAZ, taz und seit heute auch Spiegel Online. Zahlreiche Blogs greifen das Thema auf, bei Facebook gründet sich die Gruppe “Causa Machill”. Der Lehrstuhl für Journalistik II unter Leitung von Professor Machill reagiert mit Stellungnahmen und einer Dokumentation, die eine initiierte Medienkampagne seitens der Studenten aufdecken soll. Die Sachlichkeit bleibt dabei mitunter auf der Strecke. Ging es anfangs noch um einen Urheberrechtsstreit und ein fragwürdiges Zitat, hat sich die Causa Machill binnen weniger Tag zu einer Auseinandersetzung um Grundsätzlicheres entwickelt. Die Art und Weise, mit der diese Auseinandersetzung geführt wird, wirft bei vielen Interessierten Fragen auf.
Roger Vogel, der verklagte Student, war so freundlich, mir einige dieser Fragen zu beantworten:
Lipsia: In Leipzig dürfte mittlerweile so ziemlich jedem Studenten der Name “Machill” ein Begriff sein. Ist es absehbar oder gar intendiert gewesen, dass die “Causa Machill” solche Ausmaße annimmt?
Roger Vogel: Nein, es sollte nur dazu dienen, Marcel Machill daran zu erinnern, dass er mit den Studenten nicht machen kann, was er will. Dass es so ausartet, war nicht geplant.
Die beiden streitenden Parteien scheinen im Moment sehr damit beschäftigt zu sein, Stellungnahmen, Reaktionspapiere und anonyme Glossen zu verbreiten. Wäre ein konstruktiver Dialog zwischen betroffenen Studenten, Professor Machill, dem Dekan und Prorektor Wolfgang Fach der Sache nicht dienlicher?
Was den Studenten dient, dürfte klar sein: verbindliche Zusagen zur Veränderung der Lehre! Es soll ein Gespräch geben, aber ob davon etwas umsetzbar ist – keine Ahnung.
Innerhalb eurer geschlossenen Facebook-Gruppe erarbeitet ihr angeblich einen Forderungskatalog. Wie weit fortgeschritten ist dieser? Was sind grundsätzliche Forderungen, über die bereits ein Konsens besteht?
Die Gruppe arbeitet ohne mich weiter. Es ist wie bei Wikileaks: Ohne ein Gesicht läuft der Laden effektiver. Es gibt aber viele Gruppen, die an solchen Forderungen arbeiten.
Plant ihr irgendwelche “Aktionen” in Uni oder Machill-Vorlesung, um noch mehr Studenten auf eure “Bewegung” aufmerksam zu machen?
Ich bin kein bisschen in irgendwelche Planungen involviert. Sollte es ein Spendenkonto geben, werden maximal die Kontodaten “geflyert”. Ob sonst noch etwas geplant ist, was auch wirklich umgesetzt wird, weiß ich nicht.
Einige (ehemalige) Studenten haben bei Facebook die Kritik an Professor Machill bekräftigt. Von irrsinnigen Klausurfragen ist da in etwa die Rede. Könntest du ein paar konkrete Beispiele nennen?
Ich würde es nicht durch Übertreibungen weiter aufbauschen. Hast du ja selbst geschrieben, wenn ich nicht irre. Es geht um Fragen, die wie folgt lauten: “Im Buch von Machill/Beiler/Zenker stand an Punkt a folgender Sachverhalt – benennen Sie.” So muss man sich das vorstellen. Ich beziehe mich da nur auf Journalistik. Wie die Fragen in Politik und Ökonomie aussahen, kann ich aus erster Hand nicht beantworten. Fakt ist: “Lesen Sie nach und schreiben Sie ab” ist keine angemessene Klausurfrage.
Auch Blogger und offenbar selbst Prorektor Wolfgang Fach haben sich kritisch über Professor Machill geäußert. Sind dir aus anderen Kreisen noch weitere kritische Stimmen bekannt?
Nun, ich habe Dinge gehört, werde aber zwecks Verschwiegenheit niemanden benennen. Quellenschutz.
Der Lehrstuhl für Journalistik II wirft SZ-Autor Christoph Giesen vor, sich “vor den Karren einer Medienkampagne sperren” zu lassen. Aus welchem Grund hat sich Giesen in eurer Facebook-Gruppe angemeldet und inwiefern hat er sich dort an Gesprächen beteiligt?
Giesen wollte Zugang zur Gruppe. Da habe ich seine Anfrage zum Beitritt zugelassen. Er hat nie etwas kommentiert oder ähnliches. “Stiller Beobachter” trifft es wohl am besten. Dem gegenüber stehen der oder die Maulwürfe – Ergebnis ist ja bekannt. Was ich damit sagen will: Ich habe keine Ahnung, wer warum Zugang haben wollte. Ich habe nur jedem die Möglichkeit gegeben, sich die Arbeit anzuschauen und, wenn möglich, Beiträge zu posten.
Die taz berichtet, dass die “Dokumentation der von einigen Studenten initiierten Medienkampagne gegen Professor Machill” Persönlichkeitsrechte verletzt. Wollt ihr dagegen vorgehen?
Ich denke, ich werde die Tage eine E-Mail an Prof. Machill schreiben. Kommt nicht das gewünschte Ergebnis dabei raus, ist es wohl eine Option.
Neben SZ, FAZ und SpOn habt ihr noch andere Massenmedien sowie mindestens einen einflussreichen Blogger kontaktiert . Warum wollen diese bislang nicht über die Causa Machill berichten? Haben sie “den Kampagnencharakter deiner Äußerungen durchschaut”?
Die Geschichte ist ein Selbstläufer geworden; mittlerweile muss ich überhaupt nichts mehr tun. Ich bin auch gespannt, wer sich noch so für die “Kommunikationsarmut” in Leipzig interessiert. Zum Thema “Anfragen”: Da gab es ein paar, aber ohne Feedback.
Wie gefällt dir der Humor des Lehrstuhls von Professor Machill?
Nun, Humor ist, wenn man trotzdem (jemanden aus)lacht. Das ist wohl das Niveau, das diesen Konflikt von Lehrstuhlseite besser beschreibt als es diese “Kampagne” je gekonnt hätte.
Abschließende Frage: Laut Aussage in eurem Blog geht’s euch um eine bessere Universität Leipzig. Bezieht ihr das nur auf Professor Machill oder auf die Lehre im Gesamten?
Wir müssen klein anfangen. Aus dem Grund geht es hier los. Wenn darüber hinaus noch ein weiterer “Sendungseffekt” eintritt, wäre dies überaus erfreulich. Vorerst müssen wir uns auf die Kommunikations- und Medienwissenschaft beschränken. Und es ist kein Ende in Sicht.
Schlagwörter: journalistik, machill, roger vogel, Uni Leipzig