Das heutige Sachsenliga-Finale zwischen der U23 von Sachsen Leipzig und dem SSV Markranstädt konnte sich nahtlos einfügen in das Bild, das der Leutzscher Fußball in den vergangenen Wochen abgegeben hat. Die Trauer ist so langsam der Erleichterung gewichen, dass der FC Sachsen Leipzig von der Bühne verschwindet.
Die Ausgangslage vor dem Spiel: Der SSV Markranstädt musste gewinnen, um noch in die Oberliga aufsteigen zu können, hatte dies aber nicht mehr in eigener Hand. Die Sachsen-Amateure ihrerseits durften nicht schlechter abschneiden als die parallel spielenden Grimmaer, sonst drohte der Abstieg in die siebte Liga. Der SSV gewann mit 4:2, doch am Ende standen zwei Verlierer auf dem Platz: Weder gelang dem SSV damit noch der Aufstieg noch durften sich die Sachsen über den Klassenerhalt freuen. Damit fällt das Leutzscher Derby in Liga 6, zwischen der BSG Chemie und dem FCS-Nachfolgeverein SG Leipzig-Leutzsch, zumindest in der kommenden Saison flach. Schade eigentlich.
Auf den Rängen präsentierten sich die Leutzscher Anhänger noch einmal von ihrer besten Seite. Empfand man das Böller-Konzert im Abschiedsspiel der ersten Mannschaft gegen Bautzen schon als spektakulär, setzten die etwa 20 “Aktivposten” auf der Tribüne heute locker einen drauf: Allein in der ersten Halbzeit ging sicherlich ein Zehnjahres-Vorrat für Silvester-Feiern drauf. Gestört hat es aber keinen. Bis der Stadionsprecher das erste Mal mahnende Worte an die Fans richtete, musste der Schiedsrichter schon die zweite Halbzeit anpfeiffen. In dieser kamen zu den Böllern dann auch noch einige andere mehr oder weniger lustige Dinge hinzu.
Zunächst beschimpfte ein FCS-Fan auf der Gegengerade einen SSV-Spieler dermaßen, dass das Spiel während seiner Hasstiraden ruhte. Als dann auch noch ein Markranstädter im selben Block das Wort gegen ihn richtete, forderte der Leutzscher ihn zum Nahkampf auf. Das rief dann auch die Security-Leute auf den Plan, von denen sich zwei in den Block gesellten. Der offenbar stark alkoholisierte Leutzscher beruhigte sich wieder.
Nächste Showeinlage: Direkt an der SSV-Bank explodierte ein Böller. Einer der Betreuer von Markranstädt hielt sich anschließend seine Ohren und verließ den Innenbereich des Alfred-Kunze-Sportparks. Ferndiagnose Knalltrauma durfte man an dieser Stelle locker stellen. Gute Besserung. Schade, dass der dafür verantwortliche Vollidiot sicher nicht zur Rechenschaft gezogen werden kann. Der Schiedsrichter signalisierte den Sachsen-Spielern, dass der nächste Vorfall dieser Art zum Spielabbruch führen würde, was auch vom Stadionsprecher durchgesagt wurde. Der nächste Vorfall dieser Art folgte selbstverständlich nur wenige Minuten später während einer Verletzungsunterbrechung. Ein Feuerwerk (!) sorgte über dem Alfred-Kunze-Sportpark für optische Akzente. Der Schiedsrichter ignorierte die Einlage jedoch gekonnt. Mittlerweile hatte sich eine nicht unerhebliche Zahl an Sachsen-Fans scheinbar endgültig den Verstand aus dem Körper gesoffen: Ein FCS-Fan schlug vor, nun ja, die körperliche Unversehrtheit vom überraschenderweise anwesenden Steffen Kubald anzutasten (es war ein Witz), ein anderer bezeichnete den dunkelhäutigen SSV-Spieler Michael Lerchl lautstark als “Mustafa”. Ein offensichtliches Frustfoul an einem Markranstädter Spieler wurde euphorisch gefeiert.
Zum großen Finale durfte sich der neutrale Beobachter dann auch noch auf ein wenig Interaktion zwischen Spielern und Publikum freuen. Zunächst flog der Torwart vom SSV vom Platz (und musste durch einen Feldspieler ersetzt werden, da der SSV nicht mehr wechseln durfte). Auf dem Gang zur Kabine richtete er noch einige deutliche Worte an einen Leutzscher Fan. Kurz darauf durfte auch ein Sachsen-Spieler das Spiel verlassen, aber ebenfalls nicht, ohne sich im Fanbereich einen SSV-Anhänger auszugucken, den er zum Duell aufforderte.
Nach Abpfiff sprangen dann sofort einige Grün-Weiße auf den Rasen, zum Glück jedoch nicht, um sich die SSV-Spieler zu krallen. Das hätte dem Ganzen heute noch das Tüpfelchen aufs i gesetzt. Stattdessen durfte man beim Zuschauerabstrom noch eine Fast-Handgreiflichkeit beobachten.
Was wurde heute gleich noch einmal gespielt? Fußball in der 6. Liga? Um Aufstieg und Abstieg? Nur Nebensache. Tschüss, FC Sachsen. Mögen es deine Nachfolger besser machen.
Tags: fc sachsen
19. Juni 2011 um 10:27 |
Nunja ein Jamal Engel welcher Bengalos (ausschließlich ausserhalb des Spielfeldes) der Diablos als schädlich für Sponsoren bezeichnet , dürfte sich gestern über die Werbung für die SGLL durch Böller auf dem Spielfeld gefreut haben. Ist ja was ganz anderes als die schädlichen Bengalos der bösen Ultra …..
20. Juni 2011 um 03:04 |
Der Bericht bringt so manch Missstand beim dahinseichenden FCS (und wohl auch bei zukünftiger SGLL) zu Tage, dennoch möchte ihn der Fairness wegen um einige Anmerkungen ergänzen:
1. Nach der durch den Schiedsrichter veranlassten Durchsage des Stadionsprechers, weiteres Herumgeböllere (wichtig, dies von vernünftigem Gebrauch von Pyrotechnik zu unterscheiden!) werde zum Spielabbruch führen, wurden zumindest auf Dammsitzseite keine La Bombas mehr gezündet. Dies nahmen die im Gästeblock stehenden FCS-Fans zum Anlass, ihre Bemühungen um vollständige Selbstblamage zu verstärken.
2. Gegen die Beleidigung des Gegners – erst recht, wenn es sich um Steigbügelhalter der Bullen handelt – spricht erst einmal nichts. Pöbelei gehört zum Fußball dazu und muss unbedingt erhalten bleiben (nicht so wie in England, wo gleich die Stewards anrücken). Kritikabel waren im Falle des jungen Mannes im roten Shirt allenfalls die Wortwahl (“Fotzääääh!”) und das peinliche Mackergehabe in Richtung der Gästefans. Zugute halten darf man ihm übrigens, dass er sich später angeregt und freundlich mit anderen Markranser Fans unterhielt.
3. Auch ein “offensichtliches Frustfoul” darf in einer der seltenen wirklich von Emotionalität statt Gleichgültigkeit begleiteten Phase mal gefeiert werden. Wir sind ja hier nicht beim Tennis.
Die genauen Wortlaute der des Feldes verwiesenen Spieler hätte ich zu gern gehört ; ) Zum Platzsturm ist noch einmal zu betonen, dass dieser in keiner Weise gewalttätig motiviert war, sondern nur dazu diente, die Spieler zu trösten. Dennoch war es mit Sicherheit nicht verkehrt, dass die Markanser nicht länger als nötig auf dem Feld aufhielten.
Im Großen und Ganzen gebe ich dir völlig Recht: Wenn DIESES Niveau tatsächlich charakteristisch für den alten FCS und die neue SGLL sein soll, dürfte dem geneigten Chemiker die Wahl des zukünftigen grün-weißen Vereins noch leichter als ohnehin schon fallen.
@Die_Hand_Gottes: Die Doppelmoral seitens der SGLL-Verantwortlichen und ihrer Hintermänner kommt so gar nicht zufällig daher, spricht sie doch eindeutig dafür, dass diese feinen Herrschaften nicht etwa angeblich bevorstehende Negativschlagzeilen fürchten – wie von JF im SaSo richtig bemerkt, wurden in den drei Jahren FCS ohne Diablos mehr Geldstrafen verursacht als zuvor, desweiteren wurde Pyrotechnik bei der BSG Chemie stets verantwortungsbewusst eingesetzt -, sondern die basisdemokratische Mitbestimmung per Vereinsmitgliedschaft. Hier dürften auch die Gründe für die exorbitanten Mitgliedsbeiträge bei der SGLL zu suchen sein: Otto Normalfan soll von diesen abgeschreckt werden und sich das mit der aktiven Mitgestaltung des Vereins besser nochmal überlegen, andererseits verfügt man durch den Nachwuchs über einen veritablen Unterbau, welcher wohl kaum von Mitgliedsbeiträgen befreit ist. Dadurch werden Mindereinnahmen aufgrund geringer Mitgliederzahlen (der berechtigten Angst vor Mitgliederaufbegehren geschuldet) aus Fankreisen einigermaßen wieder ausgeglichen – gefickt eingeschädelt, Herr Engel!
21. Juni 2011 um 11:50 |
Um mich mal meinem Vorredner anzuschließen. Bei aller berechtigten Kritik und dem Unverständnis darüber, dass sich ein Großteil der beschriebenen Fans der SGLL anschließen werden, sollte man doch hier nicht in kleinbürgerliche Krümmelkackerei verfallen. Bei jedem Spiel werden Fouls beklatscht und Gegner beschimpft. Der Unterschied ist doch nur, dass es bei einer minimalen Zuschauerzahl maximal auffällt. Und sich nun über die Böllerei aufzuregen verstehe ich auch nicht. Der Verein ist tot, das Spiel verloren, man schadet eigentlich niemandem mehr (ausgenommen dem Wurf in Richtung Trainerbank). Man kann sich auch wirklich was zum Meckern suchen, nur um dann was geschrieben zu haben, was ins Bild passt.
21. Juni 2011 um 15:51 |
Dass Fouls beklatscht und Gegner beschimpft werden, ist normal, da stimme ich dir zu. Dass wegen letzterem aber sogar das Spiel unterbrochen wird, ist dann doch ziemlich ungewöhnlich und im Zusammenhang meines Beitrags daher auch erwähnenswert, wie ich finde. Was das Foulspiel angeht: Applaus für das In-Kauf-Nehmen einer Verletzung des Gegenspielers – da kann ich persönlich einfach nicht mitgehen. Nenn das kleinbürgerliche Krümelkackerei, wenn du möchtest.
Deine Worte mit den Böllern gehen für mich so in eine Richtung “Der Verein ist tot – also kann man ja nun so richtig die Sau rauslassen”, so wie das ja auch schön im Spiel der Ersten gegen Bautzen praktiziert wurde. Und was die Böller im Speziellen angeht – die gehören für mich einfach nicht ins Stadion. Ich finde die schön höllisch laut, wenn sie in mehr als 20 Metern Entfernung hochgehen. Wenn ich zu nem Spiel gehe, will ich nicht befürchten, dass so ein Teil direkt neben mir hochgeht (bin nicht so scharf auf Hörschäden). Und es war ja auch nicht “nur” der Böller an der Bank; vorher hat sich ein Fotograf am Spielfeldrand auch schon mal ordentlich “durchgeschüttelt”.
Wo ist überhaupt der Sinn bei den Teilen? Außer wie gesagt “Sau rauslassen”. Ich empfand die Stimmung auf den Rängen durch die Teile nicht nennenswert bereichert.
@Sündenbock: Gehe mit deinem Beitrag im Wesentlichen konform und betrachte ihn mal als sinnvolle Ergänzung zu meinem Beitrag. Dass sich der “Rote” dann noch ganz locker mit ein paar Markranstädtern unterhalten hat, stimmt natürlich.
Von mir aus kann man einzelne Punkte ja revidieren oder als nicht so schwerwiegend relativieren. Mir ging’s darum, das Gesamtpaket aufzuzeigen, und wer da allen Ernstes behauptet, dass das ne gelungene Präsentation der grün-weißen Fans war… nun ja…
3. Juli 2011 um 18:44 |
[...] Betrachtungen (Dresden/2789) 28. Gedankensturm (Dresden/2804) 29. Heldenstadt.de (Leipzig/2867) 30. Lipsia (Leipzig/3044) 31. Große Worte (Taucha/3089) 32. stefanolix (Dresden/3132) 33. Dapema Online [...]
23. Juli 2011 um 07:54 |
Das “Gesamtpaket” ist auf jeden Fall richtig geschnürt. Wollte nur sachlich bleiben, was wirklich nichts daran ändert, dass sich der Wohlfühlfaktor sehr in Grenzen hielt.
Bei der sogenannten SG Leipzig-Leutzsch treiben sich übrigens in der Tat exakt jene Leute herum, die beim letzten Spiel gegen Markrans II ihre große Bühne hatten. Diese böllerten beim Spiel Fortuna Leipzig vs. SGLL auch fleißig herum und führten damit das vorgeschobene “Argument” gegen die bösen BSG-Ultras ad absurdum.
23. Dezember 2011 um 16:27 |
[...] Fußball angezogen wurde, so auch im Falle des „knalligen“ Abschiedsspiels der Sachsen-U23 oder der Ereignisse auf den Rängen eines Spiels zwischen dessen Nachfolge-Verein und dem Roten [...]