Man muss ja nicht jeden Scheiß mitmachen. Aber so eine Probefahrt durch den City-Tunnel, das hat mich schon interessiert.
Nachdem jeder Teilnehmer schriftlich eingewilligt hatte, die Bahn nicht zu verklagen, falls man sich die Klamotten ruiniert (irgendwo im Kleingedruckten habe ich nun bestimmt ein Jahresabo für den City-Tunnel abgeschlossen), ging es einige Dutzend Treppenstufen hinab zur unterirdischen Station im Hauptbahnhof. Von hier aus fuhr ein improvisierter Wagen im recht flotten Tempo die einzelnen Stationen (also vier) bis zum Bayerischen Bahnhof ab. Direkt neben mir saß ein Erklärmensch, der ins Mikro sprach, inbesondere während der Tunneldurchfahrten aber praktisch nicht zu verstehen war. Vermutlich ist der City-Tunnel ganz toll und hat man sich bei der Gestaltung der Stationen was gedacht. Diese sind allesamt so weit fertig, dass erkennbar ist, wie sie im endgültig fertigen Zustand vermutlich aussehen werden. Das wirkt im Moment noch ziemlich steril, dürfte sich aber sicherlich noch ändern, wenn Bänke, Wucherticketautomaten und Fahrplanaushänge hinzugefügt wurden. Und nicht zuletzt, wenn da der eine oder andere reisefreudige Passagier durch die Gegend läuft.
Von Architektur habe ich keinen Plan, aber hier mal mein knapper Eindruck:
Am Hauptbahnhof bestehen Wände und Säulen aus Naturstein und nach oben blickt man bis zur Bahnhofskuppel durch. Mich persönlich hat diese Station am Wenigsten angesprochen; durch die massiven Säulen wirkt sie ziemlich beengt. Besser gefällt’s mir da unter dem Markt, wo die Wände aus Terrakottaplatten bestehen und einen “freundlicheren” Eindruck hinterließen.
Die Station Wilhelm-Leuschner-Platz dürfte wohl die Geschmäcker am Stärksten spalten, denn: Glas. Überall Glas. Wände, Decken, alles Glas. Prinzipiell eine nette Idee, doch wirken die riesigen (9m²) quadratförmigen Platten, die selbst noch einmal aus zahlreichen Glasquadraten bestehen, ziemlich billig. Vielleicht ist das Gewöhnungssache. Ich bin aber froh, dass ich nun vorgewarnt bin. Und kann mir vorstellen, dass der eine oder andere diese Station grundsätzlich meiden wird, weil er sie einfach potthässlich findet.
Auch wenn der Bayerische Bahnhof noch ordentlich nach Baustelle aussieht, hat es mir hier am Besten gefallen. Die Aluminiumwände werden von einem riesigen Lichtband durchbrochen, das in unterschiedlichen Farben leuchten soll, aber auch so, als Spiegel, schon gut hineinpasst. Es ist quasi die einzige Station, bei der nicht jede Stelle gleich aussieht.
Wer sich einen eigenen Eindruck verschaffen möchte, kann
a) bis Dezember 2013 warten
b) mal nachts hineinsteigen, alles bewundern, inklusive schon zahlreich vorhandener Graffiti
c) sich meine Fotos bei Flickr anschauen.
PS: Ich hoffe, der Titel ist catchy, Sinn macht er natürlich nicht. Leipzig befindet sich laut Wiki 118 Meter über dem Meer; zwischen die unterirdischen Bahngleise und die Leipziger Oberfläche müsste somit etwa einmal das City-Hochhaus passen; das tut es vermutlich nicht.
Schlagwörter: city-tunnel, hauptbahnhof, marktplatz

12. August 2012 um 19:50 |
Pffh, 20 000 mm unter dem Cospudischen Meer reicht schon.
Die Station am Leuschnerplatz fand ich auf den Flickrbildern aber schon toll gemacht. Naja, wenn man drinsteht wirkt’s vielleicht eher wie ein Käfig. Muss man real sehen.
Ist ja ganz ansehnlich, was das kleine Leipzig sich da gebastelt hat, aber wenn man schaut, was Russland seinem Volk geschenkt hat, ist das schon ein wenig geizig :D
http://de.wikipedia.org/wiki/Metro_Moskau#Stationen
12. August 2012 um 21:16 |
Auf mich hat die Leuschner-Station recht einfallslos und langweilig gewirkt. Passt ja vielleicht zum Einheitsdenkmal, das oben drauf steht.