L-GD 3345

Am vergangenen Wochenende sorgte in den sozialen Medien ein Online-Inserat für Aufsehen, das ein AfD-lackiertes Auto mit dem Kennzeichen L-GD 3345 zeigte. Dass es sich dabei um ein Fake handelte, konnte schnell ausgeschlossen werden – erstens weil die Leipziger AfD auf Facebook Fotos von dem Auto, das zu Wahlkampfzwecken zum Einsatz kam, hochgeladen hatte und zweitens weil es auch an anderer Stelle bereits „in freier Wildbahn“ dokumentiert wurde. Marcus Engert, Redaktionsleiter beim Leipziger Radiosender detektor.fm, gehörte zu den ersten, die auf das Inserat hinwiesen.

Er stellte einen möglichen Bezug der Buchstaben „L-GD“ zur Legida-Bewegung her, bemerkte dann aber, dass die Zulassung für das Auto bereits viel früher erfolgte. Auf Twitter, Facebook und verschiedenen Blogs herrschte anschließend belustigte bis empörte Einigkeit darüber, dass „GD“ für „Großdeutschland“ und „3345“ für die Zeit des Nationalsozialismus stehen würden.

Ob es sich um einen blöden Zufall oder eine bewusste Wahl der Kombination, einhergehend mit einem entsprechenden historischen Bekenntnis, handelt, lässt sich wohl nicht endgültig feststellen. Fakt ist aber zum Einen: Eine politische Ungeschicktheit ist es in jedem Fall. Und zum Anderen: Erstellt wurde das Inserat von Siegbert Droese, der seit dem 9. Januar den AfD-Kreisverband Leipzig führt. Droese ist Mitglied der Patriotischen Plattform, eines nationalistischen Zusammenschlusses von AfD-Mitgliedern, die sich „gegen die Herausbildung einer multikulturellen Gesellschaft“ in Deutschland aussprechen und zahlreich an der ersten Legidakundgebung am 12. Januar teilnahmen, darunter auch Droese.

Der Leipziger AfD-Vorsitzende geriet im vergangenen August bundesweit in die Schlagzeilen, als er gemeinsam mit zwei anderen AfD-Politikern den österreichischen Rechtspopulisten Andreas Mölzer zu einem Vortrag nach Leipzig einlud. Mölzer hatte Anfang 2014 den Nationalsozialismus verharmlost und die EU als „Negerkonglomerat“ bezeichnet. Nach Bekanntwerden dieser Äußerungen zog er seine Kandidatur als Spitzenkandidat der FPÖ für die Europawahl zurück. Auch den Vortrag in Leipzig sagte er ab – nach Angaben der Patriotischen Plattform „wegen eines akuten Augenleidens“.

Droese erklärte nun auf Nachfrage, „dass man für nahezu jede Kennzeichen-Buchstaben-Zahlen-Kombination eine Interpretation kreieren kann, um den Halter zu diskreditieren“. Der Wagen gehöre keinem AfD-Mitglied, sei zu PR-Zwecken überlassen worden und solle nun verkauft werden. Bei den Buchstaben G und D im Kennzeichen handele es sich um die Initialen einer Person. Ich halte letztere Aussage von Droese im Kontext einer weiteren, vertraulichen Information für glaubwürdig. Bezüglich der Zahlen äußerte Droese, dass diese laut Auskunft des Halters frei zugeteilt worden wären und dieser „über jeden Verdacht erhaben“ sei.

Der Vorwurf, dass die Leipziger AfD beziehungsweise Einzelpersonen mit einem Auto Wahlkampf machen, dessen Kennzeichen die NS-Zeit verherrlicht, ist schwerwiegend. Der nationalkonservative Kurs der AfD im Allgemeinen und vieler ranghoher Leipziger Vertreter im Speziellen spielt bei der Beurteilung der Frage, ob man an als Politiker beziehungsweise Kreisverband dieser Partei an ein solches Kennzeichen zufällig gelangt, natürlich eine Rolle. Es sollte aber auch berücksichtigt werden, dass die Wahrscheinlichkeit dafür, dass irgendeines der mittlerweile mehr als 20.000 AfD-Mitglieder zufällig diese – oder eine andere „brisante“ – Zahlenkombination (von denen es bekanntlich weniger als 20.000 gibt) zugeteilt bekommt/bekam, sehr hoch ist. Zur Frage, ob man sich bei der Nutzung des Autos der Interpretationsmöglichkeit dieser in entsprechenden Milieus gern genommenen Ziffernabfolge und möglicher Folgediskussionen bewusst gewesen ist, wollte sich Droese nicht äußern.

Glaubt man nicht an einen Zufall, so ist diese Zahlenkombination wohl weniger Indiz für die Gesinnung lokaler AfD-Politiker als vielmehr für die Gesinnung von Personen in deren Umfeld. Es gilt jedoch die Unschuldsvermutung. Aber ebenso gilt: Die Gedanken sind frei.

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