Eine Anekdote aus Wurzen

WurzenLegidaImmer wieder muss die Polizei Kritik für ihre Einsätze rund um die Legidakundgebungen einstecken. Mal seitens der Journalisten, mal seitens der Gegendemonstranten, häufig von beiden gleichzeitig. Und immer wieder liefern – zumindest einzelne – Polizisten erneuten Anlass dazu.

Bei der gestrigen Legidademo in Wurzen, dem ersten sogenannten „regionalen Spaziergang“, dem bald weitere in Borna und Eilenburg folgen sollen, gab es mal wieder so eine bemerkenswerte Szene.

Ein Fotojournalist machte Bilder von der Legidaveranstaltung (die sich thematisch um alles und nichts drehte). Erwartungsgemäß gefiel das nicht allen Teilnehmern, darunter einige „besorgte Bürger“ und viele Neonazis. Eine Person aus dem letzteren Spektrum kam auf ihn zu und drohte: „Wenn du noch ein Foto von mir machst, bekommst du auf die Fresse.“

Dann passierte das, was man leider so häufig von Kundgebungen und Situationen dieser Art liest. Ein Polizist kam hinzu und empfahl dem Fotografen, sich an den Rand der Demo zu begeben (wo er sich im Prinzip schon die gesamte Zeit über aufhielt). „Wir haben diese Person im Blick.“

Eine in vielerlei Hinsicht bemerkenswerte Aussage. Weil sie von einem merkwürdigen Demokratieverständnis zeugt, wenn es als ausreichend erachtet wird, dass die Presse in ihrer Arbeit eingeschränkt wird, solange die Polizei ihrer eigenen nachgehen kann. Weil sie von einem merkwürdigen Rechtsverständnis zeugt, wenn das Opfer einer Grundrechtseinschränkung (Androhung von Gewalt wegen der Wahrnehmung der Pressefreiheit) sanktioniert wird, während der Täter gleichzeitig unbehelligt davonzieht, ja nicht einmal von dem Polizisten befragt wird, obwohl dieser von Opfer und Zeugen auf ein Vergehen gemäß Strafgesetzbuch hingewiesen wurde. Bemerkenswert ist die Aussage aber auch deshalb, weil sie eine Lüge ist.

Die anschließende Demo zog quasi ohne Polizeibegleitung durch die Innenstadt von Wurzen. Selbstverständlich fertigten die Journalisten auch während des „Spaziergangs“ Fotos an. Die fragliche Person kam dabei erneut auf den Fotografen zu und bekräftige ihre Drohung noch einmal: „Hast du nicht gehört, was ich dir vorhin gesagt habe?“. An einer anderen Stelle wurde ein weiterer Journalist – minutenlang – von dieser Person und einem Begleiter bedrängt, dabei auch körperlich angegangen. Das war in der Nähe der Gegenkundgebung, wo zahlreiche Polizisten anwesend waren. Nur interessierte sich offenbar keiner für den Vorfall. Die gesamte Aufmerksamkeit schien den No-Legida-Demonstranten zu gelten. Eine interessante Parallele zum heftig kritisierten Polizeieinsatz rund um die Leipziger Legidademo am 19. 21. Januar.

Zumindest eines muss man dem Legidateilnehmer zu Gute halten: Er war beharrlich. Als nach Abschluss der Kundgebung etwa ein Dutzend Neonazis (also etwa 15 Prozent der Teilnehmer…) den Journalisten zum Bahnhof folgten, war natürlich auch er dabei.

Unser letzter Eindruck aus Wurzen, während wir im Zug davonfuhren: Ein Neonazi zeigte mit dem Finger auf uns, sein Nebenmann kündigte per Geste an, uns die Kehle durchschneiden zu wollen. IS-Methoden bei Legida. Eine gute Pointe für einen verregneten Abend.

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4 Antworten zu Eine Anekdote aus Wurzen

  1. r.d. schreibt:

    am 19. januar gabs keine legida-demo. die wurde auf mittwoch den 21. verlegt ;-)

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  2. Volker(kein Nazi) schreibt:

    Hab die Worte,, Mach die Kamera aus, es könnte Ärger geben‘ von einem Antifademonstranten in Bitterfeld zu hören bekommen, ebenfalls mit körperlicher Präsenz verbunden. Also bitte diese ,,gewaltlosen“ Demonstranten nicht aus den Augen lassen.

    Volker(kein Nazi)

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  3. David Plotzki schreibt:

    Warum wollen die Nazis beim Fahneschwenken eigentlich nicht fotografiert werden? Ist ihnen das etwa peinlich? :D

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