Eine Woche vor der Bundestagswahl: Ein Überblick über Direktkandidaten und Listenplätze

Bundestagswahlkampf am Hauptbahnhof Leipzig / CC-BY-SA 3.0

Zwei Leipziger werden dem kommenden Bundestag auf jeden Fall angehören, denn so viele Wahlkreise und somit Direktmandate gibt es in der Stadt. Mindestens drei zusätzliche Mandate über Landeslisten sind wahrscheinlich. Vor allem bei der Linkspartei ist aber noch vieles offen: Sie könnte am Ende als großer Sieger, aber auch als großer Verlierer dastehen.

Heute in einer Woche werden wir wissen, ob die Union im Vergleich zur Bundestagswahl 2013 deutlich an Zustimmung verliert, ob es die SPD zumindest über die 20-Prozent-Marke schafft und ob Linke, Grüne, FDP oder AfD die drittmeisten Stimmen holen. Vielleicht werden wir zudem schon wissen, welche Regierungskoalition(en) am wahrscheinlichsten ist/sind. Zur Auswahl stehen momentan Schwarz-Rot, Schwarz-Grün, Schwarz-Gelb und Jamaika. Die Linke wird sich höchstwahrscheinlich und die AfD definitiv in der Opposition einfinden.

So weit die Situation im Bund.

Spannend sind natürlich auch die Fragen, wie die Parteien hier in Leipzig abschneiden und welche Politiker künftig im Bundestag sitzen werden. Bei der vergangenen Wahl erreichte die Linke in Leipzig einen deutlich höheren Stimmenanteil als im Bund (21,9% statt 8,6%). Im Gegenzug hatten Union (34,6% statt 41,5%) und SPD (18,7% statt 25,7%) deutliche Verluste.

Die Direktmandate in den Wahlkreisen 152 (Norden) und 153 (Süden) gingen klar an Bettina Kudla und Thomas Feist, beide CDU. Zusammen mit Daniela Kolbe (SPD) und Monika Lazar (Grüne) sind das die vier Politiker, die Leipzig derzeit im Bundestag vertreten.

Für die kommende Bundestagswahl hat der Kreiswahlausschuss insgesamt 23 Bewerber zugelassen – elf im Norden und zwölf im Süden. Dies betrifft die Erststimme. Der Frauenanteil beträgt dabei 26 Prozent. CDU, FDP, AfD, Freie Wähler und Die Partei schicken jeweils zwei Männer ins Rennen. Die NPD tritt diesmal ohne Direktkandidat an. Für den Süden hatte sie keinen Vorschlag eingereicht und jenen für den Norden hat der Kreiswahlausschuss zurückgewiesen. Für die Zweitstimme hat der Landeswahlausschuss 17 Parteien zugelassen (PDF).

Welche Politiker es via Direktmandat oder über eine Landesliste aus Leipzig in den Bundestag schaffen, ist noch unsicher. Einer Prognose des „Tagesspiegel“ zufolge ist im Norden der CDU-Kandidat Jens Lehmann klarer Favorit. Bettina Kudla, die den Wahlkreis 2009 und 2013 gewonnen hatte, wurde vom Leipziger CDU-Kreisverband nicht erneut zur Kandidatin gewählt.

Im Süden hingegen ist das Rennen anscheinend noch offen. Basierend auf den meisten Wahlumfragen liegt laut „Tagesspiegel“ zwar Thomas Feist (CDU) knapp vor Sören Pellmann (Linke), doch gibt es auf Grundlage der INSA-Umfrage vom 11. September immerhin ein Modell, das den Herausforderer in Führung sieht. Dies liegt daran, dass die Linkspartei bei INSA generell bessere Werte als bei den anderen Meinungsforschungsinstituten aufweist.

Neben den beiden siegreichen Direktkandidaten dürften laut Mandatsrechner zudem noch einige Leipziger über die Landeslisten in den Bundestag einziehen. Daniela Kolbe (SPD) und Monika Lazar (Grüne) werden ihren Sitz im Parlament wahrscheinlich behalten. Sie stehen jeweils auf dem ersten Platz der Landeslisten ihrer Parteien.

Dass Volker Holzendorf (Grüne – Listenplatz 6), Gesine Märtens (Grüne – Listenplatz 9), Jens Katzek (SPD – Listenplatz 8) oder Markus Bergforth (SPD – Listenplatz 14) es ebenfalls in den Bundestag schaffen, ist unwahrscheinlich. Die Grünen erhalten in sämtlichen Modellen nur ein Listenmandat; bei der SPD sind es lediglich vier.

Screenshot: mandatsrechner.de

Da die CDU in Sachsen wohl (fast) alle Direktmandate holen wird, ist ihre Landesliste wahrscheinlich ohne Bedeutung. Einer Partei steht abhängig von ihrem Ergebnis in jedem Bundesland eine bestimmte Anzahl an Mandaten zu. Mögliche Direktmandate haben Vorrang.

Für die Leipziger Linkspartei ergibt sich daraus ein besonderes Dilemma: Sollte Sören Pellmann tatsächlich den südlichen Wahlkreis gewinnen, verringert dies die Chancen von Tilman Loos und Franziska Riekewald, über die Landesliste in den Bundestag zu kommen, da sich die Anzahl der zur Verfügung stehenden Mandate nicht erhöhen würde. Loos und Riekewald belegen auf der Landesliste den achten beziehungsweise neunten Platz – laut „Mandatsrechner“ erhält die Linke etwa sieben Listenmandate.

Die FDP kann mit zwei Listenmandaten rechnen. Dass Marcus Viefeld (Platz 10) oder Friedrich Vosberg (Platz 13) in den Bundestag einziehen, ist somit nahezu ausgeschlossen. Völlig offen scheint die Situation bei der AfD: Hier schwanken die Modelle zwischen sechs und zehn Listenmandaten. Für den Leipziger Siegbert Droese, der auf dem dritten Listenplatz steht, bedeutet das jedoch den fast sicheren Einzug in den Bundestag.

Zusammengefasst: Jens Lehmann (CDU) über das Direktmandat im Norden sowie Daniela Kolbe (SPD), Monika Lazar (Grüne) und Siegbert Droese (AfD) über ihre jeweilige Landesliste werden wahrscheinlich dem nächsten Bundestag angehören. Hinzu kommt ein Direktkandidat aus dem Süden: wahrscheinlich Thomas Feist (CDU) oder Sören Pellmann (Linke). Zusätzlich zu diesen fünf Politikern könnten es Tilman Loos und Franziska Riekewald über die Landesliste der Linkspartei in den Bundestag schaffen. Dass andere Leipziger ein Listenmandat erreichen, ist unwahrscheinlich.

Die Bundestagswahl findet am Sonntag, 24. September, statt.

Landeslisten: CDU, SPD, Linke, Grüne, FDP (PDF), AfD

Statistik am Wahlabend: Leipzig, Sachsen, Bund

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